Navigation
Malteser Weiler

"Graf Lobster gibt sich die Ehre" (2017)

Eine Komödie in drei Akten von Winfried Reinehr

Bericht von Wolfgang Muskau

Weiler. Es ist ein altes komödiantisches Thema: Bürger mit Geld sucht Adel ohne dasselbe zwecks höherem Ansehen. Die zahlreichen Verwirrungen bei diesem Ansinnen sind einer der Stoffe aus denen Komödien gemacht werden; und die Laienspieler der Malteser Theatergruppe Weiler setzen diese  seit dreißig Jahren in wechselnden Besetzungen, aber mit stets gleichem Erfolg in ihren Aufführungen um, so auch bei dem Dreiakter "Graf Lobster gibt sich die Ehre" von Winfried Reinehr.

Gleich zu Beginn wurde klar, welcher Ton im Hause des Marmeladenfabrikanten Konstantin Kirschkern herrscht. Vorhang auf und schon standen alle, zum Haushalt Gehörenden stramm, um die Instruktionen von Kirschkern entgegen zu nehmen, Hausperle und Köchin Verona, Gärtner Friedrich, Hausdame Olivia und die Töchter. Alle nach Obstsorten für Marmelade benannt, Mirabelle, die Älteste, die frühreife Delicie und Kiwi, die Jüngste. Die Besonderheit bei diesem Appell: Kirschkern hatte die Gräfin Lobster mit ihrem als vertrottelt verschrienen Sohn Karl-Kuno übers Wochenende eingeladen. Ziel des steinreichen Fabrikanten war es, Tochter Mirabelle mit dem Grafensohn zu verloben, um durch die gräfliche Verwandtschaft sein Ansehen zu steigern. Denn seit ihn seine Frau Victoria wegen eines jüngeren Veterinärs verlassen hat, steckt er voller Komplexe, ist starrköpfig, rechthaberisch und aufbrausend. Die Rolle von Thomas Marra überzeugend gespielt. Außerdem bildet er sich ständig neue Krankheiten ein, für die seinen Leibarzt Würmeling, Professor der Trottologie, auch jeweils neue Namen erfindet und sich damit eine goldene Nase verdient. Die Gräfin indessen erhofft sich, mit dem Geld der Kirschkerns ihre finanzielle Misere zu beheben.

In Anbetracht des "hohen Besuches" macht Grafen-Schwiegervater in spe sogar seinen Gärtner Friedrich, Fachmann für künstliche Bestäubung, sogar zum Butler James, was diesem gar nicht gefällt. Als dann die Gäste auftauchen wird es turbulent: Kirschkern ist entsetzt ob des kindlichen Gemüts des Grafen, Lea dagegen findet ihn drollig, Verona macht sich sogar an ihn heran und verschmäht dafür die Liebesschwüre von Gärtner "Fritz" alias James, die Gräfin will sich in Plan B den Fabrikanten selbst angeln, wenn es mit der Verlobung der Jungen nicht klappt; auf den hat aber auch schon Olivia ein Auge geworfen. Das Ganze war gespickt mit zahlreichen Wort- und Satzverdrehungen, die ein angeblich hohes Niveau der Sprachkommunikation vorgaukeln sollten. Hochdeutsch, gemischt mit Weilerer Platt und Bezug zu örtlichen Begebenheiten, Personen und Unternehmen stellen eindeutigen Ortsbezug her, Spielbälle die von allen Akteuren überzeugend aufgenommen wurden. Köstlich besonders Sven Schaumlöffel als Karl-Kuno. Als Höhepunkt reitet er sogar mit Steckenpferd und Plüschfigur in den Salon.

Das Verschwinden des "Goldenen Apfels" einer wertvollen Produktauszeichnung bringt neue Verwirrung ins Spiel und ruft die Polizistin Chantal auf den Plan, die in sächsischem Dialekt mit eigenem Charme den vermeintlichen Diebstahl aufklären soll. Dabei stellt sich heraus, dass der Grafensohn den Deppen nur spielt, um sich vor der Mutter zu schützen. In Diebstahlverdacht gerät auch die als "Bettlerin" mit erstaunlichem Insiderwissen über die Familie wieder aufgetauchte Ehefrau Viktoria. Mirabelle hat mittlerweile vom wahren Geisteszustand von Karl-Kuno erfahren und dessen Beziehung zu Chantal, schmieden ihren Plan und werden in augenscheinlich eindeutigen Situationen überrascht, worauf sie ihre Verlobung bekannt geben – aber nicht miteinander! So bekommt Kuno seine "Schandall", Mirabelle ihren Heinrich (Robin Enders) und Olivia bekommt Würmeling. Sogar Kirschkern ist zufrieden! Ein für Alle akzeptabler Abschluss vor einem begeisterten Publikum, das sich bei den Darstellern für ihre eindrucksvolle Spielweise mit viel Beifall bedankte.


Die Figuren und Ihre Darsteller:

Grafensohn Karl-Kuno Lobster: Sven Schaumlöffel
Gräfin Hermine Lobster: Freia Schmitt
Marmeladenfabrikant Konstantin Kirschkern: Thomas Marra
Ehefrau Victoria Kirschkern: Nicole Kurz
älteste Tochter Mirabelle: Anne Hilgert-Walber
Delicie, die frühreife Tochter: Lea Schieferstein
Kiwi, die Jüngste: Lea Fuhr
Hausdame Olivia Roth: Annika May
Gärtner / Butler James (Friedrich): Erwin Owtscharenko
Hausperle und Köchin Verona: Ulla Owtscharenko
Leibarzt Prof. Würmeling: Markus Schäfer
Polizistin Chantal Müller: Rica Bachmann

Auftakt und Begrüßung:

Lena Harnecker
Robin Enders

Souffleusen:

Iris Grünewald
Edith Stumm

Maske:

Gabi Rauber
Melanie Müller

Bühnenbau und Technik:

Malteser-Team
Björn Weirich
Jürgen Bootz
Philipp Bootz

Unterstützung in Küche und Ausschank:

Carneval Club 1956 Weiler
Musikverein 1921 Weiler

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE03 3706 0193 3090 4331 63  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PAX